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Science and SocietyHeidelberg Forum

Prof. Susan M. Gasser

21 Februar 2013 um 18:00 in der Print Media Academy Kurfürstenanlage 52-60, Heidelberg

Mit freundlicher Unterstützung der Manfred Lautenschläger Stiftung

Susan M. Gasser, Director of the Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research

 

Englische Version

Epigenetik: Stand der Forschung und biomedizinisches Potential

Zusammenfassung

Die Epigenetik befasst sich mit der Frage, wie zelltypspezifische Steuerungsmechanismen bei der Genexpression während der Selbsterneuerung und Ausdifferenzierung der Zelle beibehalten werden und inwiefern sie sich durch Umwelteinflüsse verändern können. Dazu werden die vielfältigen biochemischen Prozesse bei Vermehrung und Vererbung untersucht, wobei es vor allem um die Beziehung der an diesen Prozessen beteiligten Faktoren zu externen Einflüssen geht. Gegenwärtig befindet sich die Epigenetik in einem äußerst spannenden Stadium, vergleichbar mit dem der Genetik vor der Entdeckung der Struktur der DNA und des genetischen Codes. Die meisten Faktoren, die dabei eine wichtige Rolle spielen, sind bereits bekannt, unklar ist jedoch weiterhin, wie sie zusammenarbeiten, um eine möglichst reibungslose Weitergabe der Informationen zu gewährleisten. Die Forschung wurde mittlerweile auch auf die Nachbardisziplinen ausgedehnt, die sich z.B. mit der Erforschung von degenerativen Erkrankungen und Krebs beschäftigen. Darüber hinaus können durch die Forschung an Chromatin und miRNA-Modifikationen neue Diagnosemethoden entwickelt werden, die in der Biomedizin Anwendung finden. Auch ergeben sich neue Behandlungsansätze. Der Vortrag beschreibt den gegenwärtigen Stand der epigenetischen Forschung und erläutert die sich daraus ergebenden medizinischen Möglichkeiten.

Biographie

Prof. Susan M. Gasser ist seit 2004 Direktorin des Basler Friedrich Miescher Instituts für Biomedizinische Forschung und Professorin für Molekularbiologie an der Universität Basel. Ihr Forschungslabor befindet sich am Friedrich Miescher Institut.

1986 gründete sie ihre eigene Forschungsgruppe am Schweizerischen Institut für experimentelle Krebsforschung in Lausanne, wo sie bis 2001 tätig war. Im April 2001 wurde sie als Ordentliche Professorin an das Institut für Mikrobiologie der Universität Genf berufen.

Im Labor von Susan Gasser werden zwei Forschungsthemen untersucht, die von zentraler Bedeutung für Gesundheit und Krankheit des Menschen sind: Die Erhaltung der Genomstabilität durch Reparatur der DNS und die Rolle epigenetischer Vererbung bei der Gewebedifferenzierung. Gasser und ihre Kollegen haben u.a. am Modellorganismus c.elegans erforscht, wie Erfahrungen der Zelle und die Umwelt den epigenetischen Code unterschiedlicher Organismen beeinflussen. Sie hat in den vergangenen dreißig Jahren mehr als 200 wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. Für ihre Forschungsarbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet, sie ist Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften, der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und der Academia Europaea. 2012 erhielt sie den FEBS | EMBO Women in Science Award, im Jahr zuvor den Prix International des nationalen französischen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung Inserm, 2006 den Otto-Naegeli-Preis sowie die Gregor-Mendel-Medaille.

Susan M. Gasser studierte an der Universität Chicago (B.A. Honors in Biophysik) und der Universität Basel (Dissertation in Biochemie), bevor sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin von U.K. Laemmli an die Universität Genf wechselte.

Sie ist in zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten und Gremien in der Schweiz und Europa tätig, u.a. dem FP7 "Gesundheit" der Europäischen Union und dem Nestlé Nutrition Council. Von 2001 -2004 war sie Vorsitzende des EMBO Council.