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Science and SocietyHeidelberg Forum

Bert Hölldobler

Wednesday, 7 July 2010 at 18:00 in the Print Media Academy Kurfürstenanlage 52-60, Heidelberg

Mit freundlicher Unterstützung der Manfred Lautenschläger Stiftung

Prof. Dr. Berthold Hölldobler, Biozentrum Universität Würzburg

Der Superorganismus: Kommunikation und Kooperation in Ameisenstaaten

Zusammenfassung

Im Laufe der Evolutionsgeschichte des Lebens fanden mehrere bedeutende evolutionäre Übergänge (Transitionen) statt. Dazu gehören unter anderen die Übergänge von sich replizierenden Molekülen zu Molekülpopulationen in Kompartimenten; von Einzellern zu Mehrzellern; von asexuellen Klonen zu sexuellen Populationen; von solitären Individuen zu Kolonien; und schließlich von Primatengesellschaften zu menschlichen Gesellschaften. Einer der erstaunlichsten evolutionären Übergänge ist die Entstehung von Insektensozietäten, die die komplexesten Tiergesellschaften überhaupt darstellen, denn in den höchst entwickelten Insektensozietäten pflanzen sich nur ein oder wenige Individuen fort, während die überwiegende Mehrheit der Gruppenmitglieder dauerhaft steril bleibt, um als Arbeiter für die Nahrungsbeschaffung, Verteidigung und Aufzucht der Brut zu sorgen.

Obgleich diese eusozialen Arten, vorwiegend die Ameisen, die Termiten, einige Bienen- und Wespenarten, nur wenige Prozent aller Tierarten ausmachen, haben sie doch eine sehr große ökologische Bedeutung. Diese beruht mit Sicherheit auf der sozialen Organisation dieser Insekten, die auf erstaunlichen Arbeitsteilungs- und Kommunikationssystemen beruhen. In der Tat, eine hoch entwickelte Ameisenkolonie funktioniert wie ein großer Organismus, der durch vielfältige Interaktionen von hunderttausenden oder gar Millionen kleiner Organismen zu einem Superorganismus wird.