Top image

Science and SocietyHeidelberg Forum

Hubert Markl

31 October 2001

Professor Hubert Markl

President of the Max Planck Society

Man's place in nature-evolutionary past and genomic future

When Homo Sapiens evolved by natural selection it was not just another one among hundreds of primate species. Through the evolution of the conscious mind in the human species, nature became, as it were, aware of itself. Thus, for the first time in more than three billion years of biological evolution, nature can influence and even, to some degree, take control of its own future development according to the intentional goals of human agents. Since these goals are, at the same time, inevitably our own wishful visions, our species becomes not only nature's managing agent but is also morally responsible for the future of nature, including that of our own future. Drawing conclusions from evolutionary, ecological, cultural, anthropological and moral perspectives, the place of human beings in nature has to be understood not as that of some kind of alien intruder, but as an inseparable part of nature's own development, which as a consequence of evolution of human culture becomes not only self-organized, but self-guided and hopefully responsibly self-controlled.

Entgrenzte Wissenschaft: Der Irrweg von Evolutionsbiologie und Genetik zu Rassismus und Mord

Die UN-Konferenz gegen Rassismus hat vor kurzem erneut verdeutlicht, dass Unterdrückung und Vernichtung von Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu gleich aus welchen Gründen diskriminierten Gruppen keineswegs Schrecknisse der Vergangenheit - und keineswegs nur der deutschen Vergangenheit - sind, sondern grausame Alltagswirklichkeit für Millionen davon Betroffener. Allerdings war und ist es eine Besonderheit eines "modernen" Rassismus, - wie er seinen fürchterlichen Höhepunkt der Unmenschlichkeit als Massenideologie und fabrikmäßiger Massenmord im Nationalsozialismus gefunden hat -, dass er sich vorgeblich wissenschaftlicher Begründungen aus Evolutionsbiologie und Genetik bediente und mit einer barbarischen Politik verband, für die nur noch das brutale Recht des Stärkeren gilt. Zugleich richtete sich eine gleiche Politik des Ausrottung unerwünschter oder als unbrauchbar erklärter Menschen gegen genetisch bedingt Behinderte und Schwerkranke, deren Ermordung wie zum Hohn als einen guten Tod verheißende Euthanasie beschönigt wurde - mit wiederum vorgeschobenen, diesmal sozialmedizinischen Gründen.

Diese missbräuchliche Verbindung biowissenschaftlicher Tatsachenfeststellungen - z.B. für die biologischer Evolution, genetischer Gruppendifferenzierung oder Krankheitsverursachung - mit nationalchauvinistischen ('Herrenrasse') oder gesundheitsökonomischen ('Ballastexistenzen') politischen Zielen der Rassenideologie, brachte nicht nur unsägliches Leid über zahllose Menschen, an dem sich damit auch Wissenschaftlicher und ihre Lehren mitschuldig machten, sondern sie ist auch Musterbeispiel für eine ethische Entgrenzung von Wissenschaft, die sich unter Missachtung von Menschenwürde und Menschenrechten Herrschaft für Menschen anmaßt. Dies erfordert einerseits Klarheit darüber, worin Würde und Rechte von Menschen begründet sind und andererseits, wie sich die strikte Ablehnung jedes Handelns gegen den Willen Betroffener, das ihre Menschenwürde und Menschenrechte verletzt, selbst wenn dies zu vorgeblich gemeinnützigen Zwecken geschieht, mit der nicht weniger notwendigen Achtung eben dieser Würde und Rechte der Einzelnen durch Sicherung ihrer Entscheidungsfreiheit über die eigene Fortpflanzung und das eigene Leben verbinden lässt.