Prof. Dr. Magdalena Götz

Prof. Dr. Magdalena Götz

Donnerstag, 21. Juli 2018 um 18:00 Uhr
Print Media Academy, Kurfürsten-Anlage 52-60, Heidelberg

Mit freundlicher Unterstützung der Manfred Lautenschläger Stiftung

Prof. Dr. Magdalena Götz, Ludwig-Maximilians-Universität München

Wie Gliazellen zu Nervenzellen werden – neue Ansätze zur Therapie nach Gehirnverletzungen

Abstract

Das menschliche Gehirn kann abgestorbene Nervenzellen größtenteils nicht mehr ersetzen. Um dies zu ändern, untersuchen wir die Mechanismen, wie Nervenzellen während der Entwicklung gebildet werden, um dies dann auch im erwachsenen Gehirn nach Verletzung auslösen zu können. Tatsächlich werden Nervenzellen während der Entwicklung von radialen Gliazellen gebildet, einem Zelltyp der bislang nur als Stützzelle angesehen wurde. Diese Gliazellen gehen bei der Reifung des Säugergehirns verloren und differenzieren in andere Gliazellen aus. Dementsprechend geht auch die Fähigkeit zur Bildung neuer Nervenzellen in den meisten Gehirnregionen verloren, mit Ausnahme weniger Regionen, in welchen radiale Gliazellen erhalten bleiben, und tatsächlich zeitlebens noch neue Nervenzellen gebildet werden. In vielen anderen Wirbeltieren bleiben diese Gliazellen weitverbreitet erhalten (Barbosa et al., Science 2015), und Gehirnverletzungen können ohne Narbenbildung völlig geheilt werden (Baumgart et al., Glia 2010). Wir arbeiten daran zu verstehen, wie diese radialen Gliazellen Nervenzellen bilden, und wie wir die Bildung von Nervenzellen auch in den differenzierten Gliazellen des Säugergehirns wieder auslösen können (als Übersichtsartikel: Masserdotti et al., Development 2016). Diesbezüglich haben wir gerade in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und es gelingt uns nun, viele narbenbildende Gliazellen in reife Nervenzellen nach Gehirnverletzung im Mausmodell umzuwandeln (Gascon et al., Cell Stem Cell 2016). Zudem konnten wir zeigen, dass auch Gehirnregionen, in denen normalerweise keine neue Nervenzellen im Erwachsenenstadium gebildet werden, die Fähigkeit besitzen, neue Nervenzellen wieder passend in das Nervenzellnetzwerk zu integrieren und die Funktion der abgestorbenen Nervenzellen wieder zu ersetzen. Die große Frage ist nun, ob dies auch für lokal aus Gliazellen umgewandelte Nervenzellen möglich ist.

Biografie

Magdalena Götz leitet den Lehrstuhl Physiologische Genomik am Biomedizinischen Zentrum der Ludwig-Maximiliansuniversität München und das Institut für Stammzellforschung am Helmholtz Zentrum München. Sie ist zudem externes Mitglied des Max-Planck Institutes für Biochemie in Martinsried.

Magdalena Götz studierte Biologie in Tübingen und Zürich, und promovierte zum Thema der Gehirnentwicklung am Friedrich-Miescher Institut der Max-Planck Gesellschaft in Tübingen. Sie arbeitete dann als Postdoktorandin am National Institute for Medical Research in London und schloss diese Arbeiten bei Smith Kline Beecham in Harlow ab. Sie arbeitete mit dem Labor von Peter Gruss zur Rolle des Transkriptionsfaktors Pax6 am Max-Planck Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen zusammen bevor sie dann ihre eigene Arbeitsgruppe am Max-Planck Institut für Neurobiologie in München etablierte. Hier machte sie die bahnbrechende Entdeckung, dass Gliazellen während der Entwicklung des Gehirns neurale Stammzellfunktion haben, und dass june differenzierte Gliazellen durch den Transkriptionsfaktor Pax6 ebenfalls wieder zur Bildung von Nervenzellen angeregt werden können.

Für diese und folgende bahnbrechende Entdeckungen auch zu den Mechanismen, die die Faltung des Gehirns während der Entwicklung bewirken erhielt sie viele Auszeichnungen und Preise, wie zum Beispiel den Gottfried-Wilhelm-Leibniz Preis der DFG 2007, das Bundesverdienstkreuz am Bande 2010, den Remedios Caro Almela Preis 2013 und den Ernst Schering Preis 2015, wurde zum EMBO Mitglied und Mitglied der Leopoldina Akademie berufen, und warb einen advanced ERC grant im Jahr 2013 ein.