Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Storch

Professor Dr. Dr. h.c. Volker Storch

Dienstag, 16 Oktober 2018 um 18:00
Print Media Academy, Kurfürsten-Anlage 52-60, Heidelberg

Mit freundlicher Unterstützung der Manfred Lautenschläger Stiftung

Professor Dr. Dr. h.c. Volker Storch, Centre for Organismal Studies, Universität Heidelberg

Der Tod - ein Kunstgriff der Natur, das Leben zu erhalten

Abstract

Seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren gibt es Organismen auf der Erde, die sich zu einem immer umfangreicheren Lebensstrom entwickelt haben, der sich und seine Umwelt stetig verändert hat.

Auf Organismen geht der Sauerstoff der Atmosphäre zurück, Reste von Organismen bauen Gebirge auf und nehmen große Flächen des Meeresbodens ein und haben Kohle- und Erdöllager geschaffen. All das ist mit Tod verbunden, aber auch mit zunehmender Komplexität des Lebendigen und der Differenzierung der Organismen, von denen allerdings über 90 % aller Arten ausgestorben sind.

Was für die gesamte Evolution gilt, trifft auch heute noch zu: Alle Organismen-Arten sind durch eine Überproduktion von Nachkommen gekennzeichnet. Fast alle sterben zu Beginn ihres Lebens. Blieben sie alle alle am Leben, würde die gesamte Biosphäre kollabieren.

Vergleichbares gilt auch für den einzelnen Organismus einschließlich des Menschen. Wir verlieren jeden Tag mehrere Gramm unserer Zellen im Rahmen eines programmierten Zelltodes. Das gilt schon im Mutterleib. Ohne den Zelltod hätten wir weder fünf Finger an jeder Hand noch funktionierende Augen oder ein intaktes Gehirn.

Schließlich soll erläutert werden, dass der Tod in verschiedenen Zeiten unserer Geschichte und in verschiedenen Kulturkreisen von den Menschen sehr unterschiedlich bewertet wird.

Der Vortrag wird reich mit Bildern illustriert, auf denen auch diejenigen Organismen-Arten – Pflanzen und Tiere – dargestellt werden, die ein Alter von über 10 000 Jahren erreichen.

Biografie

Volker Storch (Jahrgang 1943) studierte von 1963 – 68 an der Universität Kiel Biologie und Chemie, wurde von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert und beendete  das Studium 1968 mit der Promotion (Zoologie, Botanik, Medizinische Physiologie) summa cum laude.  1971 erfolgte die Habilitation mit einer vergleichenden elektronenmikroskopischen Arbeit über Rezeptoren verschiedener Wirbellosen-Gruppen.  Von 1973   bis 1976 vertrat er eine Professoren-Stelle an der Universität Hamburg und wurde 1975 in Kiel zum außerplanmäßigen Professor ernannt. 1978 wirkte er als Gastdozent auf den Philippinen an der University of San Carlos in Cebu City. Im Wintersemester 1979/80 übernahm er den Lehrstuhl für Zoologie (Morphologie und Ökologie) an der Universität Heidelberg. Es folgten weitere Gastdozenturen auf den Philippinen. Von 1984 – 86 war er Dekan der Fakultät für Biologie. 

Der Arbeitsschwerpunkt lag in den Kieler Jahren im Bereich der Vergleichenden Ultrastrukturforschung. Transmissions- und Raster-Elektronenmikroskop waren die wesentlichen Arbeitsgeräte. In den Heidelberger Jahren kam das Thema „Zelle und Umwelt“ in den Vordergrund, eine angewandte Zoologie, die auch zu zahlreichen Kooperationen mit Kollegen aus mehreren Ländern führte, insbesondere in den Niederlanden, den USA, Australien, den Philippinen und Russland. Bis heute schlagen sich die Untersuchungen in etwa 300 Originalarbeiten nieder, die im Bereich der Vergleichenden Ultrastrukturforschung folgendermaßen gegliedert werden können: Integument, Rezeptoren, Verdauungs- und Exkretionsorgane  sowie  Spermien. In der Angewandten Zoologie ging es um ökotoxikologische Probleme, z.B. saure Niederschläge und Ernährung in der Aquakultur sowie Bodenbiologie.

Volker Storch hat in Kooperation mit Kollegen zehn Fachbücher herausgebracht, die im Deutschen in 25 Auflagen herauskamen sowie insgesamt in acht Sprachen. Zuletzt erschienen „Evolutionsbiologie“  (mit Ulrich Welsch und Michael Wink) 2013,  „Zoologisches Praktikum“ (mit Ulrich Welsch) 2014 sowie „Lebensspuren im Stein“ (Hrsg. mit Peter Rothe und Claudia von See) 2014. 

Eine nicht unwesentliche Zeit nahmen Begutachtungen ein, z.B.  mit Kommissionen des Wissenschaftsrats, beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst (in Bad Godesberg und in Peking und Shanghai, in China allein für acht Jahre), im Osten Deutschlands nach der Vereinigung, als langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates von Senckenberg u. v. a.

2004 erfolgte die Ernennung zum Doctor honoris causa der Universität Greifswald, in den letzten Jahren wurden fünf Tierarten nach Volker Storch benannt und erhielten das Epitheton „storchi“, vier marine und eine terrestrische Art, beschrieben von Autoren aus Australien, den USA, Südafrika und Deutschland.

Seit 2001 und bis 2017 organisierte er in jedem Wintersemester „Sonntagsmatineen“, die jeweils von einem Publikum von 400 bis 6oo Interessierten aufgesucht wurden. Schwerpunkte waren Themen aus Biologie, Medizin und Geowissenschaften.

Besondere Höhepunkte der wissenschaftlichen Arbeit waren Forschungsaufenthalte in ausländischen Forschungseinrichtungen z.B. am Woods Hole Oceanographic Institution (USA), am Smithsonian Institution (USA), am Southeast Asian Fisheries Development Center (SEAFDEC)  (Philippinen), der Universität Wageningen (Niederlande), am Australien Institute for Marine Science (Australien) und auf MS „Polarstern“ in der Antarktis.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand erfolgte die Ernennung zum Seniorprofessor an der  Universität Heidelberg.